PPWR: HPE-Leitfaden schafft Klarheit bei Erzeugerverantwortung in der Holzpackmittelbranche
9. Juni 2026
PPWR im B2B-Bereich: Bundesverband HPE veröffentlicht branchenspezifische Umsetzungshilfe zur neuen EU-Verpackungsverordnung mit mehr als 40 Praxisbeispielen, Musterdokumenten und Visual Toolkit für die Holzpackmittelbranche
Bad Honnef, 09.06.2026 – Mit der neuen europäischen Verpackungs- und Verpackungsabfallverordnung (Packaging and Packaging Waste Regulation – PPWR) stehen Unternehmen der Holzpackmittel-, Paletten- und Exportverpackungsbranche vor weitreichenden neuen Anforderungen. „Seit den ersten geleakten Entwürfen unterstützen wir als HPE unsere Mitgliedsunternehmen bei der Umsetzung der Verordnung. Mit dem nun vorliegenden Leitfaden samt Praxisbeispielen, dem Visual Toolkit und einigen Mustervorlagen haben unsere Mitglieder nun nützliche Tools für die praktische Umsetzungen an der Hand“, erklärt Marcus Kirschner, Geschäftsführer des Bundesverband Holzpackmittel, Paletten, Exportverpackung (HPE).
Gleichwohl hinke die EU-Kommission bereits jetzt den Vorgaben zur Veröffentlichung von delegierten Rechtsakten hinterher und werde mit unzähligen Fragen aus der Praxis konfrontiert, berichtet Kirschner, der selbst auch Mitglied er EU Expert Group on Packaging and Packaging Waste ist. Obgleich damit klar sein dürfte, dass noch sehr viel Unklarheit herrscht, bringen die die vom HPE zur Verfügung gestellten Dokumente ein deutliches Plus an Transparenz und räumen mit vielen kursierenden Halbwahrheiten auf.
Die mehr als 150 Seiten umfassende Publikation erläutert die Anforderungen der neuen Verordnung praxisnah und speziell zugeschnitten auf die Geschäftsmodelle der Holzpackmittelbranche. Neben einer detaillierten Darstellung der rechtlichen Grundlagen und Fristen enthält der Leitfaden konkrete Handlungsempfehlungen für die Umsetzung der künftig geltenden Anforderungen.
Erzeuger vs Lieferant
Einen besonderen Schwerpunkt legt der Leitfaden auf die unterschiedlichen Rollen und Verantwortlichkeiten der Wirtschaftsakteure entlang der Lieferkette. Die korrekte Zuordnung von Hersteller, Erzeuger, Importeur, Vertreiber, Lieferant oder weiteren Akteuren ist von zentraler Bedeutung, da sich hieraus die jeweiligen Pflichten nach der PPWR ableiten. Gerade in diesem Bereich sieht der HPE derzeit einen erheblichen Informations- und Aufklärungsbedarf. „Die Unternehmen der Holzpackmittelbranche werden zunehmend mit Forderungen ihrer Kunden konfrontiert, die Erzeugereigenschaft im Sinne der PPWR zu übernehmen. Diese sind jedoch häufig unbegründet und zeugen von großer eigener Unsicherheit. Bislang haben offensichtlich nur wenige Kunden selbst eine Vorstellung davon, was auf sie zukommt und wo sie sich verorten müssen. Stattdessen wird mit wilden Schreiben an die Lieferanten aus der Holzpackmittelindustrie Verwirrung gestiftet und Versuche unternommen, eigene Verantwortlichkeiten abzuwälzen“, beschreibt der HPE-Geschäftsführer die Lage.
Der Leitfaden schafft hier Klarheit und erläutert anhand der Verordnung sowie zahlreicher Praxisbeispiele, unter welchen Voraussetzungen Unternehmen tatsächlich als Erzeuger einzustufen sind und wann dies nicht der Fall ist. Dabei wird deutlich, dass vielfach die Kunden der Holzpackmittelhersteller selbst die maßgeblichen Verpackungsspezifikationen festlegen und durch ihren substanziellen Einfluss auf die Konzipierung und Ausgestaltung der Verpackung die Erzeugereigenschaft begründen. In diesen Fällen werden die Holzpackmittelhersteller im Sinne der PPWR regelmäßig zu Lieferanten, während die Verantwortung als Erzeuger bei ihren Auftraggebern liegt. Der Leitfaden bietet den Unternehmen damit eine wichtige Grundlage für die Einordnung ihrer Rolle und unterstützt sie dabei, Fehlzuordnungen und daraus resultierende Haftungs- und Compliance-Risiken zu vermeiden.
Konformitätserklärung
Der HPE-Leitfaden behandelt darüber hinaus die Anforderungen an Konformitätsbewertungsverfahren und technische Dokumentationen sowie die Erstellung von EU-Konformitätserklärungen. Weitere Schwerpunkte sind die Recyclingfähigkeit von Verpackungen, Wiederverwendungsanforderungen, Kennzeichnungspflichten, die erweiterte Herstellerverantwortung (EPR), offene und geschlossene Poolsysteme sowie der Prozess von der Verpackungsentwicklung bis zum Inverkehrbringen.
Einen besonderen Praxisbezug schaffen mehr als 40 Fallbeispiele, die typische Geschäftsvorgänge der Branche aufgreifen und aufzeigen, welche Rolle Unternehmen der Holzpackmittelbranche und deren Kunden im Sinne der PPWR einnehmen und welche konkreten Verpflichtungen sich daraus ergeben. Damit erhalten die Unternehmen eine wertvolle Orientierungshilfe für die Bewertung ihrer individuellen Geschäftsmodelle und Lieferketten.
Praxisbeispiele und Umsetzungshilfen
Ergänzt wird der Leitfaden durch umfangreiche Arbeitshilfen, die den HPE-Mitgliedern bereits im Vorfeld des Leitfadens zur Verfügung gestellt wurden. Hierzu gehören Muster für EU-Konformitätserklärungen, Konformitätsbewertungsverfahren, Risikobeurteilungen, Lieferantenabfragen zur Ermittlung relevanter PPWR-Informationen sowie Prozessbeschreibungen zur Integration der Anforderungen in bestehende Qualitätsmanagementsysteme.
Zusätzlich hat der Verband ein umfassendes Visual Toolkit entwickelt. Dieses bündelt sämtliche Grafiken, Entscheidungsbäume, Rollenübersichten und One-Pager des Leitfadens und ermöglicht eine schnelle und verständliche Einordnung der neuen regulatorischen Anforderungen. Unternehmen erhalten damit eine kompakte Orientierungshilfe, um Verantwortlichkeiten, Entscheidungswege und Compliance-Pflichten effizient zu erfassen und umzusetzen.
HPECycle und VerpackDG
Mit dem neuen Leitfaden stellt der HPE seinen Mitgliedern eines der bislang umfassendsten branchenspezifischen Arbeitsmittel zur Vorbereitung auf die PPWR zur Verfügung. Angesichts der erheblichen Auswirkungen der Verordnung auf Verpackungsentwicklung, Beschaffung, Dokumentation und Marktbereitstellung leistet die Publikation einen wichtigen Beitrag zur praxisgerechten Umsetzung der neuen europäischen Vorgaben in der Holzpackmittelbranche, die mit der Branchenlösung HPECycle bereits essentielle Weichen für die weitere Unterstützung der Unternehmen im Hinblick auf das deutsche VerpackDG und die Herstellerpflichten gestellt hat.
„Allerdings wird mit der PPWR keine Palette, keine Kabeltrommel und keine Kiste mehr verkauft oder repariert. Im B2B-Bereich laufen die Uhren nun mal anders als im B2C, FMCG oder sonstigen Sektoren. Der Kohlenstoffspeicher Holz, der seit Jahrzehnten im Rahmen einer gut funktionierenden Kaskade genutzt wird, ist etwas grundlegend anderes als Kunststoff. Stattdessen binden die bürokratische Implementierung und Umsetzung in den KMU der Holzpackmittelbranche die höchstqualifizierten Mitarbeiter, die eigentlich für das Kerngeschäft der Unternehmen gebraucht werden. Damit werden der Branche sowie der deutschen und europäischen Wirtschaft in wirtschaftlich schwierigen Zeiten weitere Felsbrocken in den Weg gestellt“, stellt Kirschner abschließend kritisch fest.
Zum HPE:
Der Bundesverband Holzpackmittel, Paletten, Exportverpackung (HPE) e.V. vertritt seit 1869 die Interessen von mehr als 420 überwiegend inhabergeführten Unternehmen aus allen Bereichen der Holzpackmittelindustrie auf Bundes- und europäischer Ebene. Als Anbieter von Paletten, Kisten, Exportverpackungen, Kabeltrommeln, Steigen und Spankörben aus dem nachwachsenden Rohstoff Holz sowie als Dienstleister aus den Bereichen Verpacken, Containerstau und Logistik fördern die Mitglieder des HPE die Verwendung dieser mobilen Kohlenstoffspeicher in den Lieferketten. Zudem unterstützt der Verband seine Mitgliedsunternehmen bei technischen, rechtlichen und regulatorischen Fragestellungen und entwickelt praxisorientierte Hilfestellungen für aktuelle Herausforderungen der Branche. Mit branchenspezifischen Leitfäden, Musterdokumenten, Fachinformationen und Schulungsangeboten begleitet der HPE seine Mitglieder bei der Umsetzung neuer gesetzlicher Anforderungen und stärkt die Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen entlang der gesamten Lieferkette. www.hpe.de
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